Überforderung, Burn-Out, Depression – Kennst du das?

Depressionen, Burn Out oder nur überfordert? Manchmal werfen wir mit all diesen Begriffen um uns und benutzen sie als Synonyme für einander. Doch meistens steckt hinter allen dreien etwas komplett anderes.

Wie die ein oder anderen schon mitbekommen haben war es lange ruhig hier auf meinem Blog und es ist nicht wirklich etwas passiert. In den letzten Wochen hatte ich oft das Gefühl von Sinnlosigkeit und Leere. Selbst die einfachsten Sachen und Selbstmotivation waren unmögliche Dinge für mich. Hier hat es einige Zeit gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich mich aktuell wieder in einer längeren depressiven Episode befinde. Nachdem ich wieder mein RL in die Reihe bekommen habe fühle ich mich auch stark und motiviert genug, mich wieder dem Internet zu stellen.

In einer kleinen 2-3 teiliegen Reihe möchte ich hier über Depression, Burn-Out und genereller Überforderung schreiben.

Meine Story

Zum ersten Mal kam ich mit dem Thema vor knapp 2 Jahren in Berührung. Erst zu dieser Zeit begann ich über meine Erfahrungen und mein Leben zu reflektieren.

 

Teen Angst – Einfach nur eine Phase?

Ich selbst wurde seit meiner Zeit als Teenager immer als leicht melancholische Träumerin bezeichnet. Generell war ich sehr zurückgezogen, wie viele Teens, habe mich mit Teen Angst beschäftigt und war generell sehr still.

In meinem Inneren sah es sehr düster aus. Allerdings hatte ich Angst, dass meine Freunde und Eltern für komisch und gestört halten. Aus diesem Grund habe ich versucht immer besonders sozial zu sein und besonders viel Spaß zu haben. Wenn ich mit Freunden feiern war habe ich immer extrem auf den Putz gehauen. Ich wurde Laut, habe viel getrunken und immer die dümmsten Aktionen befeuert und gefahren. Daheim war ich besonders lieb, interessiert und zuvorkommend.

Bis dann die Tür in meinem Zimmer hinter mir zu viel und ich endlich meine Ruhe vor der Welt hatte. In diesen Momenten viel dann die Maske und alle dunklen und hinterhältigen Gedanken brachen auf mich ein. Diese Energien habe ich versucht in Projekten und sehr düstere Zeichnungen etc. zu fokussieren. Niemand hat diese je gesehen, da ich eben nicht für verrückt abgestempelt werden wollte.

Da ich natürlich immer krampfhafter versucht habe ein perfektes Bild aufrecht zu erhalten und noch die ein oder andere Lebenskrise dazu kam wurde es für mich im Laufe der Zeit immer anstrengender und ich verlor mich immer selbst. Es kam in mir das Gefühl auf vor versammelter Mannschaft meine bröckelige Maske tragend wie ein Clown herum zu hampeln. Allein aus dem Gedanken: „Dir geht es doch eigentlich gut, jetzt stell dich nicht so an!“

Ich war also trudelnd zwischen Hochstimmung und tiefer Traurigkeit gefangen.

 

Und dann kam …

Was mir dann einige Zeit geholfen hat war meine erste und einzige große Liebe. Ich war das erste Mal in der Lage ehrliche und wahrhaftige Gefühle für einen Menschen zu haben, von denen ich mir sicher war, dass diese Gefühle von mir kamen und nicht nur gespielt waren.

Mein Freund ist ein Mann, der mich in allem unterstützt und mich wahrhaftig und bedingungslos liebt. Aber auch unter diesen idealen Voraussetzungen habe ich es nicht geschafft ihm gegenüber ehrlich zu sein über mein Innerstes.

Wie ein halbstarker Pfau habe ich mich vor ihm positioniert und wollte ihn ja nicht merken lassen, wie es wirklich in mir aussah. Wer ich meiner Meinung nach wirklich war.

 

Ein Lichtblick

Nach knapp einem Jahr Beziehung merkte aber auch er, dass das was ich ihm da die ganze Zeit vorspielte nicht der Wahrheit entsprach. Das sorgte für viel Stress und Krise in unserer Beziehung. Zur selben Zeit habe ich dann meine Freundin M. kennengelernt.

Sofort haben wir uns verstanden und mit ihr konnte ich so offen und ehrlich über Themen und mein Innerstes wie noch nie reden. Sie erzählte mir von ihrem Leben und ihrem Leben mit Depression. Ich zog immer mehr und mehr parallelen zu ihren Erfahrungen mit meinen. Doch sicher war ich mir nicht und ehrlich gesagt hatte ich auch Angst mich definitiv zu diagnostizieren zu lassen.

Wir taten uns zusammen und wollten ein Projekt starten, um mehr Bewusstsein und Akzeptanz bei Menschen für Depressionen zu wecken. Unser Ziel war eine Community nicht nur von Erkrankten, sondern auch von gesunden Menschen zu gründen, die sich vorbehaltlos gegenseitig unterstützen.

 

Bin ich depressiv ?

Leider wurde durch den unerwarteten erkrankungsbedingten Tod meiner Freundin M. nichts aus diesem klasse Projekt. Nachdem ich von ihrem Tod erfuhr (wir waren eigentlich für diesen Tag verabredet) brach in mir eine Welt zusammen. Dies war der erste Moment, in dem ich nicht mehr die Kraft hatte die Fassade meines Lebens weiter aufrecht zu erhalten.

Einige Zeit habe ich Mitleid und Verständnis geerntet, aber nach einer angemessenen Zeitpanne sollte ich mich dann wieder zusammenreißen. Leider fehlte mir dazu jedwede Energie. Ich konnte physisch nicht aus dem Bett oder vom Sofa aufstehen, Ins Bad zu gehen war nahezu unmöglich. Der Gang vor die Tür, zur Uni, Arbeit oder nur Einkaufen war unmöglich. Ich bekam Angstzustände und wollte mich nur unter der Decke verkriechen und die Welt um mich herum auf Pause stellen.

Mein Freund und meine Familie verstanden nicht was plötzlich mit mir los war. Ich war doch sonst immer so stark und glücklich. (Dafür ein kleines Lob an mein schauspielerisches Talent ;)) Ich hatte regelmäßige hysterische Heulkrämpfe ohne zu wissen warum, ich konnte einfach nicht aufhören.

Irgendwann war die Belastung für meine Beziehung, meine Freunde und für mich zu groß. Heimlich wollte ich mir Hilfe suchen. Ich nutzte eine Phase mit Energie und suchte mir einen Arzt. Zu meinem Glück fand ich jemanden, der zeitnah einen Arzt, der Zeit für mich hatte. Andere Patienten müssen lange warten, um überhaupt die Möglichkeit von Hilfe zu bekommen.

 

Diagnose: Depression

Am Ende dieser knapp 20 Jahren „Leidensgeschichte“ stand dann die Diagnose: Depression.
Ich begab mich also hinter dem Rücken meiner Liebsten in Behandlung. Auch hier habe ich mich lange nicht getraut offen mit ihnen darüber zu reden.

Aber jeder merkte, dass es mir besser ging und ich bekam langsam einiges wieder auf die Reihe. Nach mehreren Monaten Behandlung hatte ich dann den Mut mich meiner Familie und meinem Freund zu „outen“.

Jeder von ihnen versucht mich nun mit allem was er hat zu unterstützen, aber ich merke, dass sie es trotzdem nicht wirklich nachempfinden können und es mit auch schwer fällt ohne Bilder und Metaphern meinen Zustand zu beschreiben.

 

Meine Intention

Damit sich andere nicht auch durch eine lange Leidensgeschichte quälen müssen und auch Mittel an die Hand bekommen, um „Awareness“ zu wecken starte ich diese kleine Reihe.

Teilt gerne auch eure Geschichten und Erfahrungen. Wie geht es euch? Wurdet ihr ebenfalls mit Depressionen diagnostiziert? Wie gehen eure Freunde und eure Familie damit um?

Nutzt dazu gerne den Hashtag #dunkelbunt, wenn ihr in den sozialen Medien darüber redet.
Teilt gerne diesen Artikel und eure Erfahrungen.

2 comments Add yours
  1. Einer soll sich glücklich schätzen, der die Erfahrung nicht machen musste. Ich glaube aber, die meisten von uns haben schon diese Tage wo man sich fragt… wozu soll ich heute aufstehen? Das Problem ist, die Welt dreht sich immer schneller, man hat mehr Ansprüche an sich und an die Umgebung und irgendwann mal stoßt man an die Grenzen, die man der Meinung ist, nicht überwinden können. Und dann kommt… der nächste Tag… die Sache ist wie fange ich wieder an? Jeder ist anders und jeder geht mit solchen Situationen anders um. Ich wünsche dir alles gute und liebe Grüße!

    1. Ich finde das genau das, was du ansprichst ist ein sehr wichtiger Punkt! Man stößt immer mehr an Grenzen und es fehlen einem oft die Mittel und die Kapazitäten die eigenen Blockaden zu lösen. Danke dass du das Gefühl so gut beschreibst und dir auch alles Gute 🙂

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